Deutsche essen weniger Fleisch – aber weiterhin zu viel

 

 

 

Der aktuelle „Fleischatlas“ warnt vor den „verheerenden Folgen“ des übermäßigen Fleischkonsums für den Planeten. Zwar würden die Deutschen sogar weniger Fleisch essen, dafür gebe es in Schwellenländern einen regelrechten Boom.

 

Umwelt- und Tierschützer warnen vor den Folgen des global wachsenden Fleischkonsums. Weltweit seien schon 70 Prozent der Ackerflächen mit Tierfutter belegt. „Diese Flächen fehlen den Ärmsten beim Anbau ihrer Lebensmittel“, sagte Barbara Unmüßig, die Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung, bei der Vorstellung des „Fleischatlas“ am Donnerstag in Berlin. Ohne ein Umsteuern, drohten Menschen, Tieren und Umwelt „verheerende Folgen“. 

 

Der „Fleischatlas 2014“ der Grünen-nahen Böll-Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) warnt davor, dass durch das geplante Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten hormonbelastetes Fleisch nach Europa gelangen könnte. „Wir müssen verhindern, dass im Zuge des Freihandelsabkommens die hohen Standards, die wir bei Lebensmitteln in der EU haben, aufgeweicht werden“, sagte der Bund-Vorsitzende Hubert Weiger.

 

Dramatische Zunahme der Fleischproduktion

 

Zur Mitte des Jahrhunderts werden die Menschen weltweit 470 Millionen Tonnen Fleisch essen und damit 150 Millionen Tonnen mehr als heute, heißt es in dem Bericht, an dem auch die Zeitung „Le Monde Diplomatique“ beteiligt ist. Ursache sei der steigende Wohlstand vor allem in Schwellenländern wie China und Indien. Damit gehe ein drastisch wachsender Flächenverbrauch für Futtermittel einher: Der Bedarf an Soja für die Mast der Schlachttiere würde sich verdoppeln.

 

Moderne Schlachtanlagen in Europa und den USA nehmen immer absurdere Dimensionen an“, kritisierte Unmüßig. „Während wir hierzulande 735 Millionen Tiere pro Jahr töten, schlachtet alleine die US-Gesellschaft Tyson Foods mehr als 42 Millionen Tiere in einer einzigen Woche. Dahinter kann kein gesundes Agrarsystem stehen.“ Auch in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften werde nun nach westlichem Vorbild unter hochindustrialisierten Bedingungen produziert.

 

30 Kilogramm Fleisch sind ausreichend

 

Die Bund-Agrarexpertin Reinhild Benning verwies darauf, dass die Deutschen 2012 pro Kopf durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch aßen. Das waren zwar gut zwei Kilogramm weniger als im Vorjahr. 15 bis 30 Kilogramm – wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen – seien jedoch völlig ausreichend.

 

Die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie entgegnete: „Man sollte Menschen nicht bevormunden und ihnen eine bestimmte Art der Lebensführung aufdrängen.“ Die Industrie liefere sichere und hochwertige Lebensmittel für Veganer genauso wie für die, die gerne ein Schnitzel essen, sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Der Deutsche Bauernverband verwies darauf, dass der Fleischverzehr in Deutschland seit Jahrzehnten zurückgehe.

 

 

Quelle: © FOCUS Online 1996-2014