Keime in jeder vierten Portion

Schweinefleisch massenhaft mit Darmbakterien belastet

Mittwoch, 08.02.2012

Das Ergebnis einer Stichprobe macht alles andere als Appetit auf Schweinefleisch aus dem Supermarkt: Jede vierte Portion enthält Keime, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Die Gefahr geht von mutierten Darmbakterien aus.

Ein Labor fand in fünf von 20 Proben mutierte Darmbakterien der Art Escherichia coli. Untersucht wurde abgepacktes Fleisch aus Frischetheken von Supermärkten und Discountern. Den Test hat das Magazin „Stern“ durchführen lassen. Die Bakterien produzieren das Enzym ESBL, das wiederum verschiedene Antibiotika unwirksam macht.

ESBL ist die Abkürzung für Extended Spectrum Beta-Lactamase. Das Tückische an ESBL-Keimen ist, dass sie bei den üblichen Hygieneuntersuchungen von Lebensmitteln durchs Raster fallen, weil nicht vorgeschrieben ist, nach ihnen zu suchen. Dabei hat die Zahl der Infektionen von Menschen mit dem Bakterium in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen, wie der „Stern“ berichtet.

„Infektionen im alltäglichen Leben“

Es gebe viele Hinweise darauf, dass der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg ist, sagte Elisabeth Meyer, Fachärztin für Hygiene an der Berliner Charité, dem Magazin. „Inzwischen haben wir mehr Patienten mit ESBL- als mit MRSA-Infektionen.“

Und die Mehrheit von ihnen infiziere sich nicht im Krankenhaus, sondern im alltäglichen Leben. MRSA steht für multiresistenter Staphylococcus aureus. Es handelt sich um Keime, die ebenfalls gegen einige Antibiotika immun sind.

Lebensgefahr bei schwachem Abwehrsystem

In Europa sterben jedes Jahr 5000 Menschen an Infektionen mit diesen Bakterien. Nicht jeder, der multiresistente Keime in sich trägt, erkrankt daran. Lebensbedrohlich aber können sie für Kleinkinder, Ältere und andere Menschen mit schwacher Immunabwehr sein.

Für die Stichprobe wurde Schweinefilet, Schweinehackfleisch und Schweinegulasch aus Märkten in Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig und München auf ESBL- und MRSA-Keime untersucht. MRSA hat das Labor in keiner der Proben gefunden, ESBL zwei Mal im Hackfleisch und drei Mal im Filet. Eingekauft wurde bei Aldi und Edeka in München, bei Edeka in Berlin, Netto in Leipzig und Rewe in Hamburg. Jede der belasteten Proben stammte aus einem anderen Fleischerbetrieb.

 

 

Aigner kündigt neues Gesetz für März an

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich besorgt. Sie stellte zwar klar, dass Kontrollen generell Aufgabe der Länder seien und auch die Lebensmittelhersteller in der Pflicht seien, sagte aber auch: „Wir müssen den Antibiotikaeinsatz unbedingt runterfahren und damit auch die Resistenzen.“ Deshalb solle im März ein verschärftes Arzneimittelgesetz beschlossen werden und ab Herbst gelten.

Erst im Januar war bekannt geworden, dass die Hälfte der Hähnchen aus deutschen Supermärkten mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist.